Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen

07.07.2016

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen

 

Inspirierende Führung in einer schwierigen Branche

 

Interview mit Klaus Michael Schindlmeier, Geschäftsführer des BEST WEST PLUS Palatin Kongresshotel

 

 

Herr Schindlmeier, die Hotellerie und Gastronomie hat als Arbeitgeber keinen guten Ruf. Ausbeutung, Demütigung, mangelhafte Vorbereitung auf das Berufsleben und dazu die langen und unsozialen Arbeitszeiten … das sind nur einige von vielen negativen Argumenten, mit denen die Branche in Verbindung gebracht wird. Wie stark sind Sie von der Suche nach qualifizierten Auszubildenden und Fachkräften betroffen und wie gehen Sie mit dem Problem um?

 Offensiv gehen wir damit um. Wir zeigen auf, wie interessant die Hotellerie ist, wie vielseitig und zukunftsorientiert wir denken. Wir haben in diesem Jahr 248 Bewerbungen aus ganz Deutschland und für alle Formen der Ausbildung innerhalb der Hotellerie erhalten. Wir werden allein 9 Hotelfachfrauen und 4 Köche einstellen. Dazu kommen Veranstaltungskaufleute und duale Studenten. Unsere Auszeichnungen und die Teilnahme bei TOP JOB machen uns bundesweit bekannt und öffnen den Zugang zu interessierten jungen Talenten.

 

Sie waren Anfang dieses Jahres mit zehn Ihrer führenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Tour. Eine Woche lang quer durch Deutschland, in 12 Hotels und sieben Städten. Was haben Sie denn da gemacht?

Wir haben letztes Jahr das Buch „Breite Brust“ geschrieben. Darin beschreiben mehrere Talente unseres Hauses mit ihren eigenen Worten, warum sie in die Hotellerie gegangen sind. Was noch viel wichtiger ist: Warum sind sie heute noch dabei und warum sind sie zu Führungskräften gereift? Als kleines Dankeschön habe ich die Tour angesetzt und gemeinsam geplant.

Wir haben innovative Hotels besucht und sind mit deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Gespräch gekommen. Gerade dieser Austausch öffnet neue Denkweisen und Einsichten. Der Faktor Mensch in der Hotellerie bekommt eine andere und größere Dimension.

 

Welches Ziel verfolgten Sie mit dieser Tour und welche Vision vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern? 

Aus Gesprächen zu lernen, miteinander die Zukunft zu gestalten, neue Wege zu gehen und eine breitere Basis zu schaffen für kreatives Denken. Nicht eingelaufene Wege zu gehen, sondern neue zu suchen und zu finden. Gedanken umzusetzen in Lösungen und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Technik bestimmt den Rahmen und die Geschwindigkeit, aber wir sollten die Freiräume nutzen, um wieder Mensch zu werden. Das ist die Vision, die ich versuche vorzuleben. Und junge Menschen zu finden, die genau dieses an junge Talente weitergeben.

 

War das nicht ein immenser Aufwand gleich zehn führende Mitarbeitende eine Woche lang aus dem Tagesgeschäft herauszunehmen und zu ersetzen?

Die Vision greift bereits bei uns im Best Western Plus Palatin Kongresshotel. Junge Talente sind nach wenigen Monaten in der Lage, Mitarbeiter zu vertreten und eigene Impulse zu setzen. Wir stellen fest, dass viel Energie freigesetzt wird, wenn wir solch eine Jobrotation vornehmen. Genau hier setzt unser - auch wirtschaftlicher - Erfolg an. Eigeninitiative und die Bereitschaft, eigenes Denken umsetzen zu dürfen, fördern den Spaß an der Arbeit und den Erfolg für das Unternehmen. 

 

Das ist ja ein toller Vertrauensbeweis für alle Beteiligten. Wie haben die Auszubildenden ihre Aufgaben denn gemeistert?

Es macht stolz zu sehen, dass es keine wahrnehmbaren Unterschiede gab.

 

In der inspirierenden Führung gibt es verschiedene Einflusswege. Z. B. anspruchsvolle Aufgaben zu übertragen oder Gruppenziele zu fördern. Dafür war das Projekt ja prädestiniert. Wie hat das geklappt und konnten Sie bereits weitere Maßnahmen umsetzen? 

Wir haben einen alten Wunsch von mir umgesetzt. Als Auszubildender habe ich immer wieder zu hören bekommen: Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Meine Talente haben einen Kalender gestaltet mit dem Titel: Lehrjahre SIND Herrenjahre. Tolle Bilder, tolle Statements, ein klasse Beispiel, wie man heute Hotellerie begreifen sollte.

 

Was zeichnet inspirierende Führung Ihrer Meinung nach noch aus? 

Junge Menschen sind leistungsfähiger, als wir es jemals waren. Aber wir müssen sie begeistern und mitnehmen auf eine Reise in die Zukunft. Warum wir etwas tun und welche Auswirkungen das hat, müssen wir erklären können. Zeit muss anders definiert werden. Zeit für uns und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein Gewinn und kein Übel.

 

Was hat Ihnen die Aktion gebracht ­­­- hat sich der Aufwand unterm Strich gelohnt?

Was für ein Aufwand? Für mich ist es Spaß und Berufung. Und aus der Erfüllung dieser beiden Grundsätze meiner Arbeit ziehe ich viel Kraft und Leistungsfähigkeit. Nach 50 Jahren Hotellerie habe ich immer noch ein Leuchten in den Augen. Und um in der Sprache der „Jungen“ zu reden: Ich habe den geilsten Beruf der Welt!

 

Herr Schindlemeier, wir danken für das Interview. 

 

 

In dem Buch „Breite Brust – Hotellerie ist Zukunft“ erzählen Mitarbeiter Ihre Geschichte aus dem Palatin. Das Buch ist kostenfrei erhältlich unter: info@palatin.bestwestern.de

Der Nachbericht zur Tour ist dort ebenfalls erhältlich! Beides steht auch auf der Website (www.palatin.de) auch zum kostenfreien Download bereit.