Warum wir die Best Ager brauchen

20.07.2017

Warum wir die Best Ager brauchen

 

 

Die Gesellschaft wird immer älter und im Zuge der demografischen Entwicklung wächst auch in den Unternehmen der Anteil der älteren Mitarbeiter zusehends. 2015 waren in Deutschland 71 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen im Alter von 55 bis 64 Jahren erwerbstätig (Quelle: Demografie Portal des Bundes und der Länder). Die in jüngerer Zeit steigende Erwerbsbeteiligung in dieser Altersgruppe ist vor allem auf die Einführung von Abschlägen bei vorzeitigem Rentenbeginn, die Anhebung der Mindestaltersgrenzen für den Altersrentenbezug sowie Reformen der Arbeitslosenversicherung zurückzuführen.

 

TOP JOB-Mentor und ehemaliger Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement ist vehementer Gegner der Rente mit 65: „Jeder, der sich damit auskennt, weiß, dass wir spätestens 2030 das Renteneintrittsalter erneut erhöhen müssen." sagt er.

 

 

Scheiden Fachkräfte aus dem Unternehmen aus, haben Personaler oft Schwierigkeiten, die frei gewordene Stelle neu zu besetzen. Jedoch auch bei hoher Qualifikation bekommen in deutschen Unternehmen Arbeitnehmer über 50 bei der Stellenbesetzung nur selten den Zuschlag. Dabei wird 2020 jeder dritte Beschäftigte 50 Jahre und älter sein. Das Potential dieser Senior-Experten sollten wir nutzen und heute schon umdenken.

 

 

Weg mit den Vorurteilen


Noch immer halten sich hartnäckig Vorurteile gegenüber älteren Mitarbeitern. Wir ertappen uns dabei, ihnen abnehmende Leistungsfähigkeit und Lernbereitschaft zu unterstellen. Wir vermuten weniger Flexibilität und die Bereitschaft, Neues zu akzeptieren und damit steigenden Leistungsansprüchen genügen zu können.
Ein großer Irrtum, wie zahlreiche Studien und befragte Unternehmen belegen. Bei älteren Mitarbeitern verändern und verlagern sich die Stärken, Leistungspotenziale und Leistungsbeiträge - und dies in sehr wichtige Bereiche. So ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem Jahr 2014, dass ältere Arbeitnehmer...

 

  • motiviert und
  • an längerfristiger Anstellung interessiert sind.
  • sorgfältig arbeiten.
  • sich in das Team integrieren.
  • ihre Erfahrung einbringen.
  • wenige Fehlzeiten haben.

Zugegeben, im Vergleich zu jungen Mitarbeitern arbeiten ältere langsamer. Sie bewältigen Aufgaben dafür jedoch oftmals deutlich zuverlässiger. Denn ältere Mitarbeiter haben sich im Verlauf Ihres Arbeitslebens Wissen, Erfahrung und Weitsicht angeeignet, was Ihnen dabei hilft, Aufgaben effizient zu lösen. Dass ihre Motivation gleichbleibend hoch ist und sie oftmals ausgeglichener sind, kommt noch hinzu.

 

 

Aufgaben der Unternehmen


Die demografischen Entwicklung stellt das Human Ressource Management, die unmittelbaren Vorgesetzten und die Teams vor einige wichtige Fragen:

 

  • Wie mobilisieren und motivieren Vorgesetzte ältere Mitarbeiter?
  • Wie lassen sich ältere Mitarbeiter gewinnbringend in Teams integrieren?
  • Welche Maßnahmen stellen die Integration und Akzeptanz sicher?
  • Mit welchen Instrumenten können die Stärken älterer Mitarbeiter genutzt werden?

 

 

Lebenslanges Lernen

 

Natürlich bringt auch die jüngere Generation Qualifikationen mit, die bei den älteren Mitarbeitern nicht so ausgeprägt sind. Zum Beispiel bessere IT-Kenntnisse. Hier gilt es, Maßnahmen zu ergreifen, um diese Defizite auszugleichen. Stichwort: Lebenslanges Lernen! Dies gilt übrigens für jede Generation, denn die vielen technologischen Innovationen schaffen ständig neue Arbeitsprozesse, Software, Teamstrukturen und Maschinen.

 

 

Diversity - Die Mischung macht’s

 

In Teams, bestehend aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, Kulturen und Altersklassen, lernen alle Seiten voneinander und entwickeln sich besser. Ältere Arbeitnehmer übernehmen eine Vorbildfunktion und sorgen für Stabilität im Unternehmen. Aufgrund ihrer sozialen Kompetenzen schaffen sie ein ausgeglichenes Arbeitsklima und nehmen eine vermittelnde Rolle ein. Im Gegenzug lernen die Senioren von den Junioren beispielsweise Flexibilität, das Arbeiten in flachen Hierarchien und den selbstverständlichen Umgang mit neuen Technologien. 

 

 

BGM


Nicht nur die Arbeitnehmer sollten sich körperlich und geistig gesund halten. Auch die Unternehmen müssen sich fit machen für die ältere Generation und gleichzeitig attraktiv bleiben für die Jüngeren. Im Zuge des demografischen Wandels spielt die Arbeitsplatzkultur in gesunden Organisationen eine bedeutende Rolle. Hier setzt betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) an. Dessen Ziel muss es sein, die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter langfristig zu fördern und zu erhalten.
Aber Achtung: BGM ist nicht die Summe aus lauter Insellösungen. Es geht um viel mehr. Nämlich um gesunde Führung. Denn nur, wenn die Führungskräfte ihren Mitarbeitern ein Vorbild sind und keinen körperlichen oder psychischen Raubbau an sich betreiben, bleiben auch die Beschäftigten mit großer Wahrscheinlichkeit gesund.


Mehr dazu in der TOP JOB-Trendstudie „Gesunde Führung"

 

 

Vorreiter – So machen es andere


Vorreiter im Umgang mit den Senior-Experten war Bosch. Um einen möglichen Mangel an jungen Bewerbern entgegenzuwirken, zapft der Technikriese bereits jetzt mit einer eigens dafür eingeführten Online-Plattform gezielt das Wissen älterer Mitarbeiter an. 1600 freiwillige Senior-Experten werden darin geführt. Einige dieser Personen waren von Anfang an dabei, sie sind inzwischen weit über der Siebziger Marke und waren ihr ganzes Berufsleben in der Bosch-Welt tätig.

 

Ein weiteres Unternehmen, das auf Senior-Experten setzt, ist die Daimler AG. Seit Mai 2013 sind "Space Cowboys", wie die Senior-Experten genannt werden, im Einsatz: Erfahrene Mitarbeiter im Ruhestand geben ihr Expertenwissen über ihre Betriebszugehörigkeit hinaus an Nachwuchskräfte weiter. Ein Jahr nach Start des Programms haben sich bereits 480 frühere Mitarbeiter registrieren lassen - macht in Summe die Erfahrung aus vielen tausend Berufsjahren. Vor allem in den Bereichen Forschung und Produktion ist die Nachfrage hoch, heißt es bei Daimler.


Beim TOP JOB-Arbeitgeber 2017 Tilch - Ganzheitliche Pflege und Betreuung, sind rund 10 Prozent der Belegschaft über 60 Jahre alt und ihre Expertise erfährt besondere Wertschätzung. Denn sie kennen das Unternehmen und verkörpern den betreuten Menschen eine wichtige Kontinuität. Sie werden möglichst weit aus dem körperlich anstrengenden Tagesgeschäft in der Pflege herausgenommen und können auf Beschäftigungstherapie und andere Betreuung umsatteln.

 

 

So gewinnen Sie die Silver Surfer


Bei der Rekrutierung älterer Mitarbeiter sind in der Kontaktaufnahme und der Ansprache andere Mittel nötig. In den USA gehen Recruiter zum Beispiel zu den Stellen, an denen Ältere ihre Pensionen abholen und kontaktieren sie dort. Zwar nutzen auch ältere Beschäftigte das Internet, sie sind aber weniger in sozialen Netzwerken vertreten als ihre jüngeren Kollegen. Deshalb ist es ratsam, für die Rekrutierung der auch ‚Silver Surfer‘ genannten Zielgruppe, eher die "traditionellen" Online-Jobbörsen zu nutzen als Web 2.0-Anwendungen.

 

Folgende Online-Jobbörsen für sind für Arbeitnehmer ab 40 Jahren interessant:


BUSINESS4EXPERTS
JOBBÖRSE

JOBNETZWERK50PLUS

 

 

Entscheidungshilfe


Um das Einstellen älterer Mitarbeiter attraktiver zu machen unterstützen sowohl der Staat, die Sozialversicherung als auch Verbände mit verschiedenen Mitteln wie z. B. Lohnkostenzuschüssen, staatlich geförderten Weiterbildungen, flexiblem Renteneintritt. Auch die Lockerung des Kündigungsschutzes und eine leistungsbezogene Entlohnung erhöhen die Beschäftigungschancen von Personen ab 50. Vor allem die befristeten Lohnkostenzuschüsse scheinen vielen Unternehmen angemessen, um längere Einarbeitungszeiten älterer Mitarbeiter zu kompensieren.

 

 

Fazit


Heutige 50-Jährige sind in der Regel noch deutlich länger als zehn Jahre auf dem Arbeitsmarkt. Machen Sie sich das Potential älterer Arbeitnehmer bewusst: Schaffen Sie mit altersgemischten Teams ein produktives und innovationsfreundliches Klima und füllen Sie so obendrein die Fachkräftelücke. Es ist an der Zeit, Altersbilder zu revidieren und lebenslanges Lernen sowie Investitionen in die Gesundheit lohnenswert zu machen.