Sie bemühten sich stets

18.03.2015

Sie bemühten sich stets

 


Yoga, Rückenschule, Fitnessstudio und Ernährungsberatung… Betriebliches Gesundheitsmanagement gehört längst zum Standardangebot eines attraktiven Arbeitgebers – eine keineswegs günstige, aber sicherlich sinnvolle Maßnahme. Reicht das Angebot zu Betriebssport & Co. aus? Nein, meint Prof. Dr. Heike Bruch, Direktorin vom Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen. 

 

Laut des im Januar 2015 veröffentlichten Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse, sind zwischen 2000 und 2013 depressionsbedingte Fehlzeiten um fast 70 Prozent gestiegen. Der Anteil der Erwerbspersonen, die Antidepressiva verschrieben bekamen, hat im gleichen Zeitraum um ein Drittel auf sechs Prozent zugenommen.


Oft wird viel Geld unnötig ausgegeben. Denn die Maßnahmen verpuffen, wenn sie den falschen Fokus haben und ohne eine begleitende gesunde Führung umgesetzt werden. Im Kern besteht eine gesunde, zukunftsgerichtete Führung daraus, Mitarbeiter für eine verbindende Unternehmensvision zu begeistern, ihnen die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit zu vermitteln, ihre Potenziale zu erkennen und diese individuell zu fördern.


Unternehmen, die einen höheren Prozentsatz (ca. 70-80%) ihres Budgets für das Betriebliche Gesundheitsmanagement auf Maßnahmen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit verwenden, verbessern die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter um 11%. Das belegt die „TOP JOB“-Trendstudie des Instituts für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen. 

 

Hinzu kommt, dass „One size fits all“ nicht zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement passt. Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit müssen zum einen spezifisch auf das Unternehmen zugeschnitten sein. Zum anderen wirken sie besser, wenn sie auf verschiedene Mitarbeitergruppen ausgerichtet sind. Es kommt dabei nicht auf die Menge der Angebote an, sondern auf die Verzahnung der Maßnahmen miteinander. Insellösungen sind wirkungslos. 

Die Verzahnung von Führung und Betrieblichem Gesundheitsmanagement ist noch lange nicht etabliert – selbst unter den ausgezeichneten TOP JOB-Arbeitgebern haben in Sachen gesunder Führung 2013 nur 2% mit „sehr gut“ abgeschnitten und nur 22% mit „gut“.

Der Trend sollte derweil unbedingt in diese Richtung gehen. Gesunde Führung sollte zur Chefsache werden. Denn nur mit gesunder Führung in Kombination mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement kann die Belegschaft psychisch und physisch gesund gehalten und zudem auch die Unternehmensleistung um 15%* gesteigert werden.


Das Wichtigste, ist die gesunde Selbstführung der Führungskräfte. Denn der Vorgesetzte ist und bleibt ein Vorbild. 


Allzu oft sitzen Chefin oder Chef morgens als Erste im Büro, legen nicht einmal für fünf Minuten am Tag eine Pause ein, halten sich mit Kaffee wach und machen abends als Letzte das Licht aus. Und auch, wenn die Grippewelle umgeht, erscheinen sie mit Fieber und Husten am Schreibtisch: Solche Chefs riskieren nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Denn diese orientieren sich – bewusst oder unbewusst – am Verhalten ihrer Vorgesetzten. Sie fühlen sich unter Zugzwang, wenn diese ständig präsent und auch am Wochenende einsatzbereit sind und fühlen sich verpflichtet, es ihnen gleichzutun.


*TOP JOB-Trendstudie „Gesunde Führung“ vom Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen.