Geht's auch ohne Chef?

07.10.2015

Geht's auch ohne Chef?

 

 

Die digitale Vernetzung hat nicht nur das Alltagsleben verändert, sondern stellt auch die Arbeitsorganisation in Unternehmen auf den Prüfstand. Immer mehr Mitarbeitende wünschen sich individuelle Arbeitsmodelle, mehr Transparenz, Austausch auf Augenhöhe, Mitbestimmung, Flexibilität und Entfaltungsspielraum. Unternehmen müssen in immer kürzeren Zyklen auf veränderte Ausgangslagen und ein verändertes Umfeld reagieren. 


Starre Hierarchien und fix definierte Prozesse erschweren die Anpassung der Organisationen an die sich wandelnden Bedingungen. Das wirkt sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit und die Performance aus. Wie also muss ein Unternehmen aussehen, um in diesem Umfeld bestehen zu können?

 

 

Die Zukunft des Managements ist agil – wird gerne behauptet. In diesem Kontext ist nicht die Projektmethodik gemeint. Es ist natürlich naheliegend, dass Agile Unternehmen auch mit agilen Projektmethoden, wie wir Sie aus der IT-Branche bereits kennen, arbeiten. Das muss aber nicht zwangsläufig miteinander einhergehen.

 

Vielmehr geht es um einen kulturellen Wandel. Selbstverantwortung und Selbstorganisation sind wichtige agile Werte, die im Rahmen eines Veränderungsprozesses von „klassisch“ zu „agil“ definiert werden müssen. Sie geben Mitarbeitern und Führungskräften Orientierung für ihr Handeln. Die Führungskräfte spielen dabei eine wesentliche Rolle. Nur wenn sich die Werte in deren täglichem Handeln widerspiegeln werden Rahmenbedingungen geschaffen, in denen auch Mitarbeiter den Gedanken vollends umsetzen können.

 

In der Praxis bedeutet das vor allem weniger Hierarchien und die Arbeit in selbstverantwortlichen Teams. Mitarbeiter organisieren sich selbst und können zwischen den Teams wechseln. Die eigenen Ziele und Rollen werden innerhalb des Teams festgelegt sowie situativ Entscheidungen getroffen. Damit dies funktioniert ist eine Vision unabdingbar. Sie muss kommuniziert, geteilt und gemeinsam weiter entwickelt werden.  

 

Die Anforderungen an die Führungskräfte sind zunächst einmal hoch. Das Rollenverständnis des Managers ändert sich im agilen Kontext grundlegend. War er bislang noch zentral verantwortlich, so übernimmt er jetzt eine Rolle anstelle einer Position und agiert als Befähiger anstatt als Machthaber. Zudem liegt es in der Verantwortung des Managers, Ressourcen und Richtlinien bereitzustellen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen die Mitarbeiter Agilität umsetzen können.

 

Demokratisch geführte Unternehmen gehen indes noch einen Schritt weiter. Charakteristisch ist hier, dass die Führungskräfte die Mitarbeiter in betriebliche Entscheidungen einbinden und in manchen Fällen sogar der Kontrollprozess an die Mitarbeiter verlagert wird. 

 

Agile Führung kann eine entscheidende Erfolgskomponente sein. Mit einer veränderten Sichtweise auf die Menschen und  die Leistung, mit veränderten Zuständigkeiten und mit einer Kommunikation auf Augenhöhe. Dies schafft Motivation, Mitarbeiterzufriedenheit und gibt Raum für Innovationen und Ideen.

 

Um es mit den Worten von Prof. Dr. Heike Bruch,  Direktorin vom Institut für Führung und Personalmanagement an der Universität St. Gallen, zu sagen: „Wir sind noch lange nicht so weit auf Chefs zu verzichten. Wir haben noch nicht die Kultur, die Spielregeln und Arbeitsformen. Aber wir können, und sollten, uns dahin entwickeln. Das erfordert jedoch Chefs, die bereit sind sich überflüssig zu machen...“

 

 

Dazu passt:

 

Interview des Schweizer Fernsehens mit Prof. Dr. Heike Bruch,  Direktorin vom Institut für Führung und Personalmanagement an der Universität St. Gallen zum Thema „Brauchen wir noch Chef’s?“

 

Führungstipp „Ratgeber statt Machthaber“ mit Simone Meister, Personalverantwortliche bei allsafe JUNGFALK