Diese Seite verwendet Cookies. In unserer Datenschutzerklärung erfahren Sie mehr darüber.

Die compamedia-Sprechstunde

24.02.2011

Die compamedia-Sprechstunde

 

Heute: Dr. Nikolaus Franke, Professor für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien - und wissenschaftlicher Leiter der Benchmarkstudie TOP 100.

 

Was machen Sie als Erstes, wenn Sie morgens ins Büro kommen?

Ich mache mir als erstes einen guten schwarzen Tee. Angeblich beflügelt Tee die Intelligenz, auch wenn einem angesichts der „Tea Party" Bewegung in den USA Zweifel an dieser These kommen müssen.

 

Was ist Ihre Internet-Startseite im Büro?

Wikipedia. Da steht fast immer was neues Interessantes.

 

Was lesen Sie gerade?

Ich lese immer mehrere Bücher parallel. Zurzeit sind das Bücher zu neuartigen Geschäftsmodellen („Crowdsourcing" von Gassmann), neuen Möglichkeiten im Bereich Open Innovation („Mass Customization Toolkits" von Kaiser), zu scheinbar irrationalen menschlichen Verhaltensweisen („Predictably Irrational" von Ariely), zur Wirkung von Gerechtigkeitswahrnehmungen im Unternehmenskontext („Organizational Justice" von Greenberg und Colquitt) und verschiedene Bücher über evolutorische Modelle von Unternehmerstrategien. In meiner Freizeit lese ich momentan etwa zehn weitere Bücher. Inhaltlich ist der Bogen da weit gespannt und reicht von Sachbüchern und Biographien zu Belletristik.


Wer ist Ihr größtes Vorbild und warum?

Ich habe immer Menschen mit unternehmerischen Fähigkeiten bewundert, also mit Vision, Mut und Phantasie. Nicht alle sind tatsächlich im wirtschaftlichen Sinne Unternehmer. Auch Schumpeter, Churchill, Chaplin, Cook, Zappa und viele andere haben neue Dinge gewagt und geschaffen und sind für mich daher in der Hinsicht Vorbilder. Und auch in einem Tempodribbling von Franck Ribery wird in einem bewundernswertem Maße Kreativität und Durchsetzungsstärke sichtbar ...


Ein Monat im Amt: Was würden Sie als Erstes in Angriff nehmen, wenn Sie Bundeskanzler wären?

Da gäbe es viele Projekte ... Generell würde ich versuchen, Zukunftsbereiche zu stärken - Bildung, Forschung, Gründungen, Innovation, wirtschaftlichen Wettbewerb - und viel unnötigen Ballast abzuwerfen. Wir haben viel zu viel Bürokratie, Subventionen und planwirtschaftliche Elemente. Politik stärker nach unternehmerischen Prinzipien auszurichten wäre überfällig. Es wäre dann halt die Frage, ob ich mich länger als einen Monat im Amt halten könnte ...


Was zeichnet einen guten Innovator aus?

Schumpeter sagt „Im Erkennen und Durchsetzen neuer Möglichkeiten liegt das Wesen der Unternehmerfunktion", und das gilt heute mehr denn je. Um neue Chancen zu erkennen, braucht man Vision, Fantasie und Kreativität. Um sie durchzusetzen - und Innovationen stoßen nun mal auf Widerstände -, braucht man Mut, Energie, die Fähigkeit zur harten Arbeit, Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft.

 

Was war Ihr bisher größter Flop?

Kann ich nicht sagen. Mir gelingen natürlich nicht alle Projekte, aber das macht nichts. Wichtig ist, dass man nicht versucht, Fehler krampfhaft zu vermeiden. Aus Fehlern entsteht Erfahrung, Flops und Niederlagen sind Gelegenheiten zu lernen. Wir brauchen als Gesellschaft einen viel lockereren Umgang mit Fehlern. Wer Innovation will, muss Risiken in Kauf nehmen. Das ist wie beim Skifahren: Wer sagt „Ja, ich will das lernen, aber ich will nie in den Schnee fallen", der wird es nie zu etwas bringen.


Wo können Sie am besten nachdenken?

In den Bergen - oder in der Diskussion mit kreativen und intelligenten Menschen.


Welches ist Ihr ehrgeizigstes Ziel für 2011?

Wir haben eine Menge sehr kreative, innovative und risikoreiche Forschungsprojekte begonnen - da hoffe ich schon auf den einen oder anderen Erfolg. Wir haben auch eine Reihe von Innovationen zu Entrepreneurship und Innovation in unserem MBA geplant, von denen ich hoffe, dass sie voll einschlagen werden.


Wenn Sie nicht Leiter eines erfolgreichen wissenschaftlichen Instituts wären, was würden Sie heute tun?

Keine Ahnung. Man kann nicht alles planen. Vielleicht ein eigenes Unternehmen leiten oder mich auf eine Mars-Expedition vorbereiten? Oder ich würde irgendetwas ganz anderes machen, jedenfalls etwas, wo man Kreativität ausleben und neue Dinge ausprobieren kann.