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"Natürlich stehen wir noch ganz am Anfang"

29.09.2011

"Natürlich stehen wir noch ganz am Anfang"

 

Es ist an der Zeit für ETHICS IN BUSINESS:

Die Initiative, die mittelständische Unternehmen dabei unterstützen will, ethisch verantwortungsvoll zu agieren, steht in den Startlöchern. Der "Spickzettel" sprach mit Prof. Dr. Thomas Beschorner von der Universität St. Gallen, wissenschaftlicher Kopf von ETHICS IN BUSINESS, über die Bedeutung der Unternehmensverantwortung in der heutigen Zeit.

 

Prof. Beschorner, die Wirtschafts- und Finanzkrise hat Themen wie Nachhaltigkeit und verantwortungsvollem Wirtschaften Aufschwung gegeben. Was macht Ethik in der Wirtschaft für Sie so unentbehrlich?
Diese Krisen, wie übrigens auch die Reaktorkatastrophe in Japan, haben eines klar gemacht: Unsere Wirtschaft ist kein rein technisch-ökonomisches System, sondern sie ist zutiefst verbunden mit Moral- und Wertefragen. Die Frage, in welcher Welt, in welcher Gesellschaft wir zukünftig leben wollen, kann nur im Dialog mit der Wirtschaft erörtert werden. Denn eine Systemveränderung funktioniert nur, wenn sich das Handeln und das Denken von Unternehmen ändern. Zum einen bedeutet das, "schlechte Praxis" wie Korruption oder Bestechung abzustellen, zum anderen aber auch, "gute Praxis" zu fördern: also, wie werden Mitarbeiter behandelt, wie wird der Produktionsprozess organisiert, wie sieht es mit der Verantwortung in der Wertschöpfungskette aus, etc.

 

Wie ist es denn zurzeit um die Unternehmensverantwortung im Mittelstand bestellt?
Aus meiner Sicht hat die Sensibilität von Unternehmen für ein verantwortungsvolles Wirtschaften deutlich zugenommen. Mehr und mehr Betriebe packen soziale und ökologische Probleme ganz konkret an. Auch andere gesellschaftliche Akteure - seien es zivilgesellschaftliche Organisationen, Gewerkschaften, das Stiftungswesen, die Politik oder Konsumenten - entdecken die Relevanz eines verantwortungsvollen Wirtschaftens. Natürlich stehen wir bei vielen Fragen noch ganz am Anfang. Vor allem in Sachen Strategien und Konzepte haben Mittelständler Nachholbedarf. Aber: Unternehmen setzen sich mehr und mehr mit dem Thema auseinander und machen sich auf den Weg.

 

Ist dieser Nachholbedarf auch einer der Beweggründe für Sie, bei ETHICS IN BUSINESS mitzumachen?
Einer davon, richtig. Ein anderer ist der Praxisbezug für mich. So interessant und fruchtbar wissenschaftsinterne Diskussionen über abstrakte Theorien auch sind - hin und wieder ist es unerlässlich, den Elfenbeinturm zu verlassen und das Gespräch mit der Praxis zu suchen. Dieser Kontakt, so meine Hoffnung und zugleich meine Erfahrung, kann beiden Seiten eigentlich nur Vorteile bringen. Für ETHICS heißt das ganz konkret: Wir wollen mittelständischen Unternehmen helfen, besser zu werden, und bekommen gleichzeitig Input für unsere wissenschaftlichen Forschungen.