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„Nachhaltigkeit? Gerne, aber nicht bei uns.“

27.10.2011

„Nachhaltigkeit? Gerne, aber nicht bei uns.“

 

Für die finanzielle Performance von Unternehmen spielt Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtige Rolle. Das hat eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte ergeben, für die 208 Finanzchefs internationaler Unternehmen in 10 Ländern befragt wurden. Zwar teilen die meisten der Befragten länder- und branchenübergreifend diese Ansicht - dennoch ist Nachhaltigkeit für knapp ein Drittel von ihnen in der Praxis gar kein oder kaum ein Thema.

 

Es ist absurd: Zwar erwarten über 70 %, dass Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle bei Risikomanagement und Compliance spielen wird. Auch glauben drei Viertel, dass eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Finanzpolitik ein zentraler Gegenstand der Unternehmenskommunikation sein sollte. Insgesamt rechnen aber nur 20 % damit, dass das Thema innerhalb der nächsten zwei Jahre einen signifikant höheren Stellenwert für ihre Tätigkeit und ihre strategischen Ansätze haben wird - 38 % glauben an eine langsame Entwicklung, und ein glattes Drittel sieht gar keine Dynamik.

 

Bei der Umsetzung in die tägliche Berufspraxis sieht es kaum besser aus: Auch hier gibt gerade mal ein Drittel der Befragten an, die meisten oder alle Aspekte der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Etwas über ein Drittel tut das eher sporadisch und ein weiteres Drittel kaum oder gar nicht. Die Schlussfolgerung: „Unternehmen täten gut daran, heute schon mehr Zeit und Energie darauf zu verwenden, den Faktor Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsstrategie zu integrieren", meint Silke Masurat, Geschäftsführerin der compamedia GmbH. Denn: „Über kurz oder lang werden sie sich mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Da ist es doch besser, dies jetzt planvoll zu tun als später in einer erzwungenen Hau-Ruck-Aktion."

 

Ausnahme: Deutschlands Mittelstand

Die Ansätze der einzelnen Umfrageteilnehmer bei der Integration des Nachhaltigkeitsfaktors sind durchaus unterschiedlich, nicht zuletzt bedingt durch verschiedene regionale Umstände und Besonderheiten. So beschäftigen sich Finanzchefs in chinesischen Unternehmen kaum mit dem Thema und sehen keinen direkten Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Unternehmensperformance. In Deutschland dagegen, konstatiert die Studie, gebe es eine Reihe von hervorragenden Firmen. Fast der gesamte Mittelstand sei vorbildlich. Auch in Österreich setzten viele Unternehmen auf Nachhaltigkeit.

 

Zwischen den Branchen gibt es ebenso Unterschiede: Am wenigsten ausgeprägt ist das Bewusstsein in der Automotive- und der Bauindustrie, besonders stark dagegen im Rohstoffsektor, wobei die maßgeblichen Treiber und Risiken in allen drei Branchen ähnlich gelagert sind.