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Chef gesucht!

24.01.2012

Chef gesucht!

 

TOP 100-Jurymitglied Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), sorgt sich um die Existenz tausender Familienunternehmen. Bis 2020, fürchtet er in einem Interview, könnte gut ein Fünftel aller Firmen wegen vergeblicher Nachfolgesuche schließen.

 

Im Schnitt kommt es alle 30 Jahre zu einem Wechsel an der Spitze von Familienbetrieben. Problematisch ist dabei unter anderem die demografische Entwicklung: Die Zahl der Erwerbstätigen wird bis 2025 um 7 Millionen Menschen auf 41 Millionen sinken. Das bedeutet auch, dass es weniger potenzielle Nachfolger für die Betriebe geben wird.


8 % scheitern bei der internen Nachfolgersuche


Mario Ohoven zeichnet in einem Interview mit dem Weser-Kurier ein düsteres Bild: „Etwa 8 % der Unternehmen auf Nachfolgersuche scheitern bei der internen Übergabe und verschwinden vom Markt." Der Rest bleibe in Familienhand, suche externe Nachfolger oder löse das Problem durch Management-Buy-out. Immer weniger Unternehmerkinder seien laut Ohoven bereit, den elterlichen Betrieb zu übernehmen: „Für die Kinder stehen Ertrag und Aufwand oft in keinem Verhältnis. Sie wechseln deshalb häufig in andere Branchen, auf abgesicherte Positionen."
Sein Rat: Die Suche müsse sehr viel stärker extern erfolgen, denn sonst müssten viele Betriebe wegen Nachfolgemangels schließen. Bis 2014 rechnet der BVMW mit einer Quote von 20 %. Das wären rund 20.000 Unternehmen mit rund 300.000 Beschäftigten.


Genaue Planung der Nachfolge


Ohoven riet in dem Interview, alle Schritte der Übergabe genau zu planen: In der Vorbereitungsphase sollte der Wert des Unternehmens genau ermittelt werden. „Das ist besonders wichtig, denn hierbei überschätzen sich sehr viele Unternehmer. Jeder zweite Mittelständler liegt da daneben. Psychologisch ist das verständlich, schließlich geht es um das eigene Lebenswerk", sagt Ohoven dem Weser-Kurier. Dann sollte der potenzielle Nachfolger ausgesucht und angesprochen werden. Darauf folgt die Überleitungsphase, in der es auf Zeitpunkt und Form der Information der Mitarbeiter, Partner und Kunden ankommt. „Auch da passieren viele Fehler", warnt der Experte. „Bei einer falsch organisierten Nachfolge kommt es oft zu Umsatzeinbrüchen von bis zu 50 %."


Das Interview mit Mario Ohoven erschien am 28. Dezember 2011 im Weser-Kurier.