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Führungskräfte als moralische Instanz gefragt

27.09.2012

Führungskräfte als moralische Instanz gefragt

 

Mittelständische Unternehmen, die Wertekataloge anlegen und Führungsgrundsätze definieren, setzen sie im Personalmanagement auch konsequent um. Das zeigt eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Thomas Beschorner und seinem Team vom Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen. Für die als Lernprojekt angelegte Wirtschaftsinitiative „Ethics in Business" haben die Wissenschaftler 81 mittelständische Unternehmen analysiert, die sich in besonderem Maße der Gesellschaft verpflichtet fühlen. Die Ergebnisse weisen auch auf die wichtige Rolle von Führungskräften als moralische Instanz hin. Zugleich offenbart die Studie aber Nachholbedarf in der werteorientierten Personalwirtschaft.

 

„Es besteht ein sehr enger Zusammenhang zwischen den Aktionsfeldern ‚Unternehmenswerte und Führung' und ‚werteorientierte Personalwirtschaft'", sagt Prof. Dr. Thomas Beschorner. Eine „werteorientierte Personalwirtschaft" geht dabei über die Zahlung angemessener Löhne weit hinaus. Vielmehr verbindet sich damit nach dem Verständnis der Studie eine Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz, eine fruchtbare Gestaltung von kultureller und religiöser Vielfalt und das Schaffen einer Kultur, in der sich jeder Einzelne produktiv entfalten kann.

 

Entscheidend ist dabei die Integrität von Führungskräften, wie die Studie belegt: 90,8 % aller befragten Unternehmen betrachten die Mitglieder der Leitungsebene als erste Ansprechpartner für die Mitarbeiter im Falle eines moralischen Dilemmas. „Die Unternehmen tun deshalb gut daran, in die moralische Kompetenz ihrer Führungskräfte zu investieren", betont Beschorner.

 

Allerdings warnt der Wissenschaftler davor, schriftlich fixierte Unternehmenswerte als „Selbstgänger" zu verstehen: „Grundsätze können motivieren, garantieren aber noch keine verantwortungsbewusste und integre Führung. Vor allem dann nicht, wenn die Leistung, nach der sich Vergütungs- und Bonussysteme richten, allein anhand wirtschaftlicher Parameter wie Umsatz oder Ergebnis bemessen wird." Beschorner hebt deshalb in der „Ethics in Business"-Studie die Bedeutung weicher Erfolgsfaktoren hervor.

 

Ein Teil der untersuchten Unternehmen arbeitet schon damit: So berücksichtigen 36,8 % in ihren Erfolgsboni die Kundenzufriedenheit, 30,3 % die Mitarbeiterzufriedenheit und 31,6 % die persönliche Entwicklung der Mitarbeiter. „Diese Werte sollten noch besser werden", mahnt Beschorner. Zugleich verweist er auf jene 13,2 %, die „als Pioniere auf eine ganzheitliche Verantwortung setzen und ihre Führungskräfte auf ökologische Ziele verpflichten."

 

Die „Ethics in Business"-Studie von Prof. Dr. Thomas Beschorner und seinem Team vom Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen erscheint in gedruckter Form Anfang Oktober in dem von Ulrich Wickert herausgegebenen Buch „Es ist an der Zeit" (Redline Verlag). Vorab kann die Studie hier heruntergeladen oder unter presse@compamedia.de als PDF bestellt werden.